Adel Khuzam - Zeitalter der Schnelligkeit

Adel Khuzam

Zeitalter der Schnelligkeit

Autos … Autos
Was meinst du soll ich wohl mit meinen Beinen machen?
Soll ich mit ihnen weitergehen oder sie aufs Grab stellen?
Und wie soll ich vor den Leuten am Abgrund ankommen?
Im Schritt, im Sandkorn ist die Zukunft gefangen
Im Wahn jage ich ihr hinterher
Ich suche in jedem Ende nach Unsterblichkeit,
doch die ist selbst einem Felsen nicht gewährt.

Auge

Alle umfangen es, während es groß wird
dieses brauthafte Land
Aus seinem Bauch kommt die Verleumdung, rot vor lauter Aufrichtigkeit
In seine Straßenpflaster
rammen die Wächter Pflöcke inmitten der Fußgänger
Ein Händler stellt eine Falle auf an der Schwelle der Moschee
Kinder kreisen um ein kleines Feuer
Und ich gehe unter ihnen wie ein Fremder,
ich sehe das, was kein Weiser sieht
und was auszusprechen die zahlreichen Stifte unterließen

Sieg

Sieben Mal forderte ich die Stärke mit Schwäche heraus und besiegte sie ...
Ich warf mich mit all meinem Gewicht ins Grab und verließ es siegreich über das Leben
Ich lief eingebildet auf meine leeren Taschen vor den Kaufmannsöhnen
Ich küsste meine Geliebte übers Telefon bis zum Morgen
Ich verbot die Rollstühle jedem Gelähmten und erfand ihnen die Sprache des Kriechens
Alle Ärzte sind Kaninchen unter meinem Hut
Jedes Nein wetze ich zu einem Ja
und das Laufen beginnt bei mir, wenn ich fliege

Die Bande

Eine Bande besteht in den alten Erzählungen immer aus dreien:
dem Händler,
dem Polizeioffizier
und dem Richter oder dem Wesir.

Heute jedoch beginnt sie mit dem Bäcker im Morgengrauen,
den Gesprächspartnern an einem bitteren Arbeitsmorgen,
dem Kellner des Giftes in der Mittagspause,
der Ansagerin des Programms »Ein Lächeln am Nachmittag«,
der Ampel, rot oder grün,
den Werbungen an den Straßen
und
dem Rest des Volkes.

Aus As-su'al alladhi yatba' ad-duhk
(Der Husten, der dem Lachen folgt)
Mu'assasat al-Intischar al-Arabi, Beirut 2006

Aus dem Arabischen von Leslie Tramontini