Mein Name ist Revolution, Mona Prince

Ich sollte mit einer Einleitung beginnen.

Die Tunesier haben es geschafft! Bravo! Eine gute Lektion für die Völker, die leben wollen und das Leben wirklich lieben, … nicht für die, die mit dem Jenseits, der Hölle und den Qualen im Grab beschäftigt sind. Ich grüsse das tunesische Volk und zolle ihm höchste Achtung und Respekt!

Das war mein Kommentar zur erfolgreichen Befreiung des tunesischen Volkes von seinem Präsidenten. Ich rief meine Familie und meine Freunde an, und wir beglückwünschten uns gegenseitig, als wäre die Revolution der Tunesier unsere eigene gewesen. Wir haben uns für sie von ganzem Herzen gefreut. Damals befand ich mich in meinem Haus in Fayoum im Künstlerdorf »Tunis« und verfolgte alle Ereignisse unmittelbar live im Fernsehen. Zum ersten Mal in meinem Leben erlebte ich, wie eine Revolution einen arabischen Herrscher zu Fall brachte. Ich traf mich mit einigen Freunden aus dem Dorf, um die tunesische Revolution zu feiern. Natürlich haben wir uns gefragt, ob das ägyptische Volk auch imstande wäre, eine Revolution zu führen. Nicht zu Lebzeiten!!!!

Am nächsten Morgen erschien in der »al-Akhbar«-Zeitung folgende Schlagzeile: »Zine El Abidine Ben Ali verlässt Tunesien und begibt sich nach wachsenden Unruhen an einen unbekannten Ort. Ägypten hebt sich über alle anderen heraus. International loben offizielle Regierungssprecher, Mubarak habe für sein Land Ägypten das höchste Maß an wirtschaftlicher Sicherheit erreicht.«
Ich gab keinen Kommentar ab.

Dann begannen einige Ägypter nach dem Vorbild des jungen Tunesiers Mohamed Bouazizi, Auslöser der tunesischen Revolution, sich selbst zu verbrennen. Nur wenige starben an Verbrennungen ersten Grades. Die anderen konnten behandelt werden. Es folgte eine Flut von für Ägypter ganz typischen Witzen: »Jeder Bürger wird mit einem Liter Benzin und einer Streichholzschachtel – vermerkt über Lebensmittelkarte oder Personalnummer – versorgt … Benzin ist so teuer, warum nicht Gasolin nehmen, ist billiger… Ach Leute, das reicht jetzt mit der Selbstverbrennung, nicht der Aufstand erhebt sich da, sondern eure Seelen, und sie werden dort oben niemanden finden.« Und wie immer wird jeder, der versucht, sich selbst zu verbrennen, für geistig krank oder psychisch labil hingestellt werden oder als jemand, der Ruhm sucht, ganz zu schweigen davon, dass er ein Sünder ist, der in der Hölle schmoren wird.

Im Folgenden zitiere ich einige der sarkastischen Bemerkungen, die im Internet im Zusammenhang mit Selbstverbrennungsfällen kursierten. Große Verbreitung fanden hierbei Aussagen, die von Hamdi Qandil bekannten Persönlichkeiten in den Mund gelegt wurden:

Ahmed Ezz, Ägyptischer Unternehmer, Abgeordneter der Nationaldemokratischen Partei (NDP) und Vorsitzender des Nationalen Budgetausschusses: »Die Lösung des Problems der Selbstverbrennung ist, die Benzinpreise anzuheben.«

Boutros-Ghali, Außenminister und ehemaliger Generalsekretär der Vereinten Nationen: »Die Lösung ist, eine neue Steuer einzuführen, die jeder Familie auferlegt wird, aus der ein Familienmitglied stammt, das sich mit Benzin selbst verbrennt.«

Maged George, Minister für Umwelt: »Die Selbstverbrennung der Bürger ist die Ursache für Smog.«

Aisha Abdel-Hadi, Ministerin für Arbeit: »Die Selbstverbrennung von Bürgern schafft neue Arbeitsplätze für junge Menschen, die als Feuerwehrmänner eingesetzt werden.«

Ahmad Nazif, Premierminister: »Die Menschen können ihre Interessen nicht gut selbst vertreten … Der Beweis dafür ist, dass sie den Nutzen der Erdölprodukte nicht erkennen und missbrauchen.«

Raschid Mohamed Raschid, Handels- und Industrieminister: »Es muss mehr Öl importiert werden, nachdem der Konsum des Erdöls durch Selbstverbrennen angestiegen ist.«

Safwat al-Sherif, NDP Generalsekretär, Vorsitzender des Schura-Rats, Parlamentspräsidenten: »Ägypten ist größer als alle politischen Erpressungskampagnen. Die Selbstanzünder haben kein Verantwortungsbewusstsein.«

Tamer Amin, Moderator beim ägyptischen Nationalfernsehen (ERTU): »Dass die Ägypter sich selbst verbrennen, ist blinde Nachahmung.«

Großscheich der al-Azhar: »Wer sich selbst verbrennt, gilt nach islamischem Recht als Sünder. Damit er lernt, es nicht zu wiederholen, sollte man das Feuer nicht löschen.«

Habib al-Adli, Innenminister: »Das Verbrennen von mehr als drei Menschen an öffentlichen Plätzen ist nicht gestattet.«

Fathi Sorour, Sprecher der Volksversammlung: »Alle, die dem Erlass des neuen Gesetzes, welches die Selbstverbrennung von Bürgern für eine kriminelle Tat erklärt, zustimmen, sollen (als Zeichen der Zustimmung) die Hand heben.«

Die Zeitung »al-Ahram«: »Die Feuerwehr streikt: Sie fordert höhere Löhne und beklagt Überforderung durch Zunahme von Löschaktionen.«

Abdalla Kamal, Redakteur von Rose al-Yusuf: Bürger, die sich selbst verbrennen, sind keine Ägypter. Sie sind infiltrierte Gefolgsmänner der von Iran finanzierten Hizbollah-Partei.«

Die Zeitung »al-Akhbar«: »Ägypten importiert große Mengen an Feuerlöschern.«

Hillary Clinton, US-Außenministerin: »Die Vereinigten Staaten von Amerika verlangen, dass die Bürgerinnen und Bürger vor Selbstverbrennung geschützt werden, und fordern das ägyptische Regime auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die Wut der Bürger einzudämmen.«

Ahmed Abul Gheit, Ägyptischer Außenminister: »Die Selbstverbrennung von
Bürgern ist eine interne Angelegenheit. Es steht jedem ägyptischen Staatsbürger frei, sich selbst zu verbrennen.«

Barack Obama: »Amerika will seine Streitkräfte in Ägypten für die in Ägypten sich befindenden Ausländer und Minderheiten stationieren, um sie vor dem Rauch der Feuer, die Ägypter an sich selbst anlegen, zu schützen.«

Die Hamas-Bewegung: »Das, was mit den Ägyptern durch Selbstverbrennung geschieht, ist so, weil sie sich wegen ihrer Teilnahme an der Gaza-Blockade schuldig fühlen.«

Benjamin Netanjahu: »Wir werden nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren, bevor die Ägypter nicht aufhören, sich selbst zu verbrennen.«

Ehud Barak: »Die Selbstverbrennung der Ägypter bedroht den Frieden und die Sicherheit des Nahen Ostens.«

Die algerische Zeitung »Shurouq«: »Die »Grünen« sind immer noch die besten. Algerien ist immer noch überlegen, was die Zahl an Selbstverbrennungen betrifft.«
(Facebook, 20. Januar 2011)
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Aus dem Arabischen von Abier Bushnaq