Editorial, Hassan Hammad

Als ich klein war, nahm mich meine Mutter oft in den Zoo von Giseh mit. Sie hielt meine Hand immer ganz fest, um zu verhindern, dass ich mich von ihr losreiße und in alle Richtungen laufe. Ich nutzte die Gelegenheit, um mit ihr zuerst ins Elefantenhaus zu gehen.

Worüber ich mich am meisten wunderte, war die Geduld, die der Elefant aufbrachte, wenn all die Kinder auf seinen Rücken und seinen Rüssel kletterten. Es schien ihn nicht zu kümmern. Als ich älter wurde, erzählte man mir, dass Elefantenzüchter jungen Elefanten eine Kugel aus Eisen ans Bein binden. Der Elefant, dem damit das Laufen und jede Bewegung erschwert werden, verliert allmählich die Erinnerung an Rennen oder Flucht. Jahre später wird ihm die Eisenkugel abgenommen, der Elefant bleibt jedoch weiter stehen, wo er ist, und erträgt alle Albernheiten. Seitdem begann ich mich zu fragen, was wohl wäre, wenn dem Elefanten plötzlich bewusst würde, dass er ohne Ketten ist. Wie würde er sich dann verhalten?

Die Antwort darauf kam erst mit der Revolution am 25. Januar 2011 und dem Verhalten des Elefanten, dem plötzlich klar wurde, dass er nicht mehr angebunden war. Alle Fesseln waren verschwunden. Die ersten Bewegungen des Elefanten waren willkürlich, chaotisch. Vielleicht wollte er sich damit selbst beweisen, dass er frei oder fähig ist, sich zu bewegen und Widerstand zu leisten. Vielleicht war sein planloses Gestampfe auch Ausdruck seiner Bitterkeit über die vielen Jahre, die er – ohne Fesseln – unfrei verbracht hat.

Immer noch verfolgen wir die unbeholfenen, ungeordneten Bewegungen des Elefanten und beobachten, wie er sich verhält, sobald jemand versucht, seine Freiheiten einzuschränken, sei es von islamischer, christlicher, arabischer, europäischer oder amerikanischer Seite.

Lieber Elefant, mögen wir dich bald festen Schrittes, zielstrebig und frei laufen sehen.

Hassan Hammad