Ashjam Hendi

Gegenangriff
Zeichne eine Kugel,
in der ein Volk ist, das nicht von Füßen getreten wurde
Dann zeichne einen Schiedsrichter ohne Pfeife
und Ziele,
aus denen Träume entgleiten

Im Tor:
Dahin zeichne einen Verstand, den das Licht verlassen hat
Dann zeichne noch eine Laterne im Dunkeln
und einen Morgen, der sich
um sie dreht

Zwischen den zwei Partien
zeichne mich
zeichne deine Schwester
zeichne alle Frauen der Welt
zeichne uns längs
aber nicht quer!
Zeichne uns
Dann eröffne das freie Spiel
Zeichne uns
Dann schließe dein Gesicht
und geh vom Tor heraus!
Nimm deine Verteidigungslinie ein
und dein Netz
Nimm deine Farben
Lass uns im Stadion
ohne rote Linien

Sie haben deine Schönheit verraten!

Was sagt die Poesie
in Zeiten der Zerstörung?
Was sagt sie,
wenn die Stimme des Verteidigers laut wird
und den Dialog unterbindet?
Zorn
abgetrennte Körperteile
Feuer
Ein Schal
voller Blut der Märtyrer
Wasserfälle von traurigen Tränen
Balkone, die weinen
Ein Haus
Finger, die sich in der Nacht des Verrats ausstrecken
Hinter der Mauer
Verrat
Gewalt
Selbstmord
Ein Vaterland, das ächzt, und ein anderes, das ausblutet
Die Stimme der Vernunft erstickt
Die guten Absichten ermeuchelt
am helllichten Tag!
Verzweiflung
Unfähigkeit
Niederlage
Ein Vaterland, das seine Wunden leckt
Blutverlust, der seine Wehklage verheimlicht
Falschheit, die schmeichlerisch ihre Hässlichkeit verbirgt
Ein Angriff
gefolgt von Flucht
Zeit bedeckt die Geheimnisse, ihre Gelenke
Ein Haus
Eine Mühle, die sich dreht
Keine Beständigkeit
Was sagt die Poesie, wenn die Beständigkeit sich dreht
Die Erde ist Ehre
Sie wird nicht verborgt und nicht vorgetäuscht
Die Erde ist der Pulsschlag der Aufrechten
Die Erde ist die Blüte der Liebenden
Die Liebe ist die Aufrichtigkeit der Meinung,
keine bunte Parole!
Die Liebe ist Aufrichtigkeit, kurzum!
Die Erde:
Heimat / Linien
mit der Farbe
von Blut
Rot, von Ehrfurcht gewaschen
mit Pracht
Stolz kommt ihr der Sieg
zum Ruhm zuvor
Sie verbirgt ihre Tränen über der Trauer
und umarmt die Kleinen
Sie beschützt die kleinen Blumen
vor dem Sandsturm
Die Erde ist die Mutter, kurzum!
Trauer entsteht
heiße Tränen
und Feuer auf Feuer
Die Zeiten weinen über die Vaterländer
Diese wischen sich die Tränen der Zeiten ab
Die Erde verbirgt in den Schlägen des Erdbebens ihr Gesicht
aus Angst
Die Meere versenken sich selbst
Schrecken
Tod
und Todeskampf
Was sagt die Poesie in Zeiten der Zerstörung?
Was sagt die Poesie?
Oder eher: was sagt die Schande,
wenn die Buchstaben der Poesie schweigen
und die Belagerung schlimmer wird?
Ach du trauriger Planet Erde:
Hat denn deine Nacht keinen Tag?
Schweigen
Zeit
Warten!
Was sagt die Poesie in Zeiten der Zerstörung?
Das Schweigen der Reime:
Ein Schrei, schwanger
mit Entschuldigungen, die an ihm würgen
Ach du trauriger Planet Erde:
Die Fanfaren trompeten los,
wenn die Fledermäuse der Finsternis blöken
und der Spatz erdrosselt wird, wenn er singen
und wegfliegen will
Ach du Planet Erde, der
von der Gier der Großen erstickt wird
Sie haben deine Schönheit verraten,
kurzum!

Aus dem Arabischen von Leslie Tramontini